Siri Hustvedt – Der Sommer ohne Männer

15. April 2013

Eine Autorin, die ein Buch schreibt, in dessen Titel “ohne Männer” vorkommt, das klingt nach Emanze. Und obwohl wir – gerade in Deutschland – noch einigen Nachholbedarf haben in Thema Emanzipation (z. B. könnten die Frauen doch mal annähernd so viel verdienen wie Männer in gleichen Positionen), ist das Thema doch irgendwie negativ belegt, weil Emanzipation oft gleichgesetzt wird mit Männerhass oder leerem seit Jahrzehnten gleichem Geschwafel.

Siri Hustvedt - Der Sommer ohne Männer

Siri Hustvedt – Der Sommer ohne Männer

Die Erzählerin in Siri Hustvedts ‘The Summer without Men’ ist definitiv Feministin und sie ist eine Intellektuelle. Und sie ist eine Frau wie jede andere. Ihr passiert, was Millionen Frauen auch passiert: nach Jahrzehnten einer recht glücklichen Ehe verlässt sie der Ehemann, wegen einer jüngeren Frau. Erstmal nicht der beste Ausgangspunkt in einem modernen Roman, das kenne wir doch schon aus hunderten von Filmen und Büchern.

Ich würde nun auch nicht behaupten, dass man dieses Buch gelesen haben muss, aber ich habe es gern gelesen und hatte sogar ein richtiges Aha-Erlebnis dabei.

Nach einer akuten psychotischen Störung, die Mia für zehn Tage in die Psychiatrie bringt, fängt sie sich langsam wieder und beschließt, den Alltag hinter sich zu lassen. Sie mietet sich für den Sommer ein Haus in der Stadt, in der ihre Mutter in einem Seniorenheim lebt. Dort bietet sie einen Sommerkurs in Dichtung an. Da die Mutter und ihre Freundinnen die meisten Männer überlebt haben und Poesie-Texten nur Mädchen anspricht, ist sie ausschließlich von Geschlechtsgenossinen umgeben – ein Umfeld, das ihr gut tut, wie sie nach einigen Wochen feststellt.

Was mir an dem ‘Sommer ohne Männer’ gut gefällt, ist die lakonische Art, mit der Mia ihre Situation beschreibt. Sie nimmt sich selbst nicht so ernst, nennt die neue Freundin ihres Mannes nur ‘the pause’, denn eine Ehe-Pause hat sich ihr Mann ausgebeten und lässt es überhaupt an Humor nicht fehlen. Wenn sie gegen ihren Mann oder auch mal die Männer allgemein schimpft, ist es kein Männerhass, der dahinter steht, sondern die Ohnmacht, die sie fühlt. Und gleich hinterher kann sie die Situation auch schon wieder ganz anders darstellen. Trotz der Ironie wiederum wird Mia nicht vorgeführt – ihr ganzes Leben wird umgeworfen und muss erstmal wieder ganz neu geordnet werden.

Nebenbei werden noch eine ganze Reihe kleiner Geschichten über die anderen Frauen erzählt, z. B. über die Freundin der Mutter, die in ihren Stickereien erstaunliche Botschaften versteckt oder die dichtenden Teenager-Mädchen, die ganz ohne es selbst richtig zu verstehen, gemeinstes Mobbing betreiben.

Das alles macht das Buch äußerst unterhaltsam und anregend. Besonders gut gefällt mir die Leichtigkeit, mit der Siri Hustvedt die Geschichte erzählt, die immerhin von dem Zusammenbruch der Protagonistin handelt.

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‘Tausendschön’ von Kristina Ohlsson

5. April 2013

'Tausendschön' von Kristina Ohlsson

‘Tausendschön’ von Kristina Ohlsson

‘Tausendschön’ ist das zweite Buch von Kristina Ohlsson. Genau wie in ihrem Erstlingswerk ‘Aschenputtel’ ermitteln wieder Alex Recht, Peder Rydh und Fredrika Bergman, die mittlerweile hochschwanger ist. Ihr privates Leben steht dabei ebenso im Mittelpunkt wie der Fall rund um illegale Einwanderer, Schlepper, eine Vergewaltigung und Mord.

Ich habe den Roman als (exklusives) Audible-Hörbuch gehört, gesprochen wurde der Text von Uve Teschner. Ich tue mich immer ein bisschen schwer damit, wenn männliche Sprecher die Stimme heben, um Frauen darzustellen, während Sprecherinnen die Stimme senken, wenn sie Männer-Dialog lesen. Aber das hat sich nunmal durchgesetzt und es stört nach kurzer Gewöhnung nicht besonders. Sonst ist an der Sprecher-Leistung nichts auszusetzen.

‘Tausendschön’ hat mir gut gefallen, war von Anfang bis Ende spannend und ist ein gut durchdachter Krimi. Ich finde alle Charaktere glaubwürdig und den Fall logisch. Als Whodunnit taugt das Buch nicht, denn als Leser hat man vielleicht doch zu wenig Informationen, um selbst zu erraten, wer hinter dem Mord steht, aber das ist keine Kritik.

Lese- oder Hörempfehlung!

Autoreninfos: Die Schwedin Kristina Ohlsson (geb. 1979) studierte Staatswissenschaft und arbeitete im Außenministerium, an der militärischen Hochschule und erstellte sicherheitspolitische Analysen für die schwedische Sicherheitspolizei SÄPO. In Schweden sind mittlerweile sechs Bücher von ihr erschienen, eines davon ein Kinderbuch.

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Lokale Autoren fördern durch selbstpublizierte eBooks in Bibliotheken

3. April 2013
Auch die Bibliotheken in Köln könnten Autoren aus der Region durch eBooks fördern

Auch die Bibliotheken in Köln könnten Autoren aus der Region durch eBooks fördern

Die Huffington Post hat heute einen interessanten (englisch-sprachigen) Artikel veröffentlicht. Es geht darum, dass Büchereien lokale Autoren fördern können, indem sie ihnen dabei helfen, ihre Bücher selbst zu publizieren und diese dann bekannt machen. Gerade eBooks eignen sich besonders, weil sie sehr einfach hergestellt und vertrieben werden können.

Auch hier in Deutschland haben viele Büchereien eBooks im Angebot und erweitern die Auswahl stetig.

Die Zusammenarbeit mit Autoren aus der Region kann dabei für beide Seiten Früchte tragen. Die Bibliothek hilft dem Künstler, indem sie ihn bei der Publikation des eBooks und der Vermarktung unterstützt. Andererseits wird die Bücherei wieder bekannter und hat ein attraktives Angebot, wenn der Autor Lesungen abhält oder Creative-Writing-Kurse veranstaltet. Auch Leser interessieren sich für “ihre” Künstler, vor allem, wenn ein lokaler Bezug da ist, wie z. B. in den zahlreichen Regions-Krimis.

Der Autor des Artikels in der Huffington Post berichtet, dass Bibliothekare oft selbst interessante Ideen beisteuerten, z. B. dass man auch dabei helfen könnte, Webdesigner oder Maler und Schriftsteller zusammen zu bringen, um Buchcover zu designen.

In den USA beginnen die ersten Bibliotheken nun schon, selbst Portale für die eBook-Publikation bereitzustellen.

The Walking Dead

2. April 2013

‘The Walking Dead’ ist eine Fernsehserie, die vom amerikanischen Sender amc ausgestrahlt wird. In Deutschland läuft sie bei FOX Channel. In den USA gehört sie zu den Serien mit den besten Einschaltquoten – kein Wunder, denn ich habe in den letzten Jahren nichts ähnlich spannendes gesehen. Teilweise konnte ‘Lost’ genauso fesseln – inhaltlich allerdings haben die beiden TV-Shows nichts gemeinsam.

‘The Walking Dead’ basiert auf einer gleichnamigen Comicbuch-Reihe und spielt in der Nähe von Atlanta, Georgia. Weltweit hat sich eine Seuche ausgebreitet, die Menschen nach ihrem Tod zu Zombie-artigen Wesen macht (ein Vorgang, der in der ersten Season auch einigermaßen logisch erklärt wird). Ein großer Teil der Menschheit ist ausgelöscht worden, die Zivilisation zusammengebrochen und überall schließen sich Menschen zu Gruppen zusammen, die um ihr Überleben gegen die Walkers (so werden die Untoten genannt) kämpfen. Diese sind zwar unglaublich tumb, aber durch ihre zahlenmäßige Übermacht und ihre zielstrebige Gefräßigkeit eine enorme Gefahr für die Menschen.

Die Protagonisten sind eine Gruppe von Menschen um den Sheriff-Deputy Rick Grimes, die sich zusammenschließen und im Laufe der Geschichte an mehreren Orten versuchen, sich niederzulassen.

Eine zentrale Frage ist natürlich, wie sich Menschen unter solch traumatischen Verhältnissen verändern, und ‘The Walking Dead’ zeichnet hier ein recht gnadenloses Bild, das ich allerdings für ziemlich realistisch halte. Wie oft in amerikanischen Serien sind die Schauspieler ausgezeichnet. Gerade Grimes (gespielt von dem Engländer Andrew Lincoln) oder sein Sohn Carl (Chandler Riggs) sind oft wirklich herausragend.

Die Spannungsbögen sind äußerst abwechslungsreich. Es gibt Folgen, die sich langsam aufbauen und dann zu einem furiosen Ende kommen, aber – zum Beispiel viele Folgen der ersten Season – auch solche, bei denen man sich von Anfang bis Schluss in eine Sofa-Ecke kuschelt und am liebsten die ganze Zeit die Luft anhalten würde. Es gibt wahrhaft unvergessliche Szenen wie die, als Grimes in das menschenleere Atlanta hineinreitet und man minutenlang nichts hört als das Hufklappern, bis er um eine Ecke biegt und … (ich möchte nicht spoilern). Andere, in denen es um die Interaktion verschiedener Charaktere geht, sind nicht minder mitreißend.

Es gibt vielleicht Serien, die tiefgründiger sind (obwohl hier sehr glaubwürdige Charaktere mit einer spannenden Entwicklung gezeichnet werden), aber derzeit wohl keine mitreißendere. Allerdings braucht man schon gute Nerven; wer sich allzu leicht gruselt oder fürchtet, kann hier wirklich Alpträume bekommen.

Die erste Staffel besteht aus 6 Folgen, die zweite aus 13 und die dritte, die gerade vorgestern beendet wurde, aus 16 Episoden.

‘The Lifeboat’ von Charlotte Rogan

1. April 2013

Erstmal vorab: Obwohl ‘The Lifeboat’ in den USA und Großbritannien recht erfolgreich war und in der Kritik gut davon kam, ist das Buch noch nicht in deutscher Sprache erschienen. Ihr müsst also mit dem englischen Original vorlieb nehmen oder die chinesische oder spanische Übersetzung kaufen! Amazon verkündet auf der Autorenseite jedoch, dass das Buch derzeit in 25 Sprachen übersetzt wird – da wird sicher auch Deutsch dabei sein.

Der Plot ist schnell erzählt: Die 22jährige Grace Winter hat 1914 direkt nach der Hochzeit mit ihrem Mann eine Schiffsreise angetreten und muss das sinkende Schiff mit einem Rettungsboot verlassen. In diesem Boot sind insgesamt 39 Personen, von denen einige schließlich gerettet werden. Grace und zwei weitere Überlebende müssen sich vor Gericht verantworten. Die beiden Handlungsstränge der Geschichte auf dem Boot und die Gerichtsverhandlung werden parallel erzählt, obwohl der erste Teil wesentlich mehr Raum einnimmt.

Das Besondere ist hier die Ich-Erzählerin Grace, die insofern ein unzuverlässige Erzählerin ist, als sie sich selbst gar nicht so gut kennt und natürlich – wie wohl jeder – kaum einschätzen kann, wie sie sich in extremen Situationen verhalten wird. Dazu kommt, dass sie vor Gericht und auch vor ihren eigenen Anwälten durchaus vorsichtig sein muss, wie sie von den vielen Tagen auf dem Rettungsboot erzählt, schließlich will sie freigesprochen werden. Das hat Charlotte Rogan ausgezeichnet hinbekommen, denn Grace ist gar nicht das unschuldige zarte Weibchen, das ideale Frauenbild, das am Anfang des 20. Jahrhunderts noch vorherrschte. Stattdessen ist sie – schon vor der Schiffsreise – sehr pragmatisch und setzt ihre Pläne durchaus handfest um.

Das Buch ist insgesamt sehr flüssig erzählt und gut geschrieben. Es hat mich nicht 100 %ig begeistert, dafür fehlte ein kleiner Funke, der hätte überspringen müssen, aber ich spreche auf jeden Fall eine Leseempfehlung aus!

‘The Lifeboat’ ist Charlotte Rogans Debütroman, obwohl sie bereits mehrere fertige Werke in der berühmten Schublade liegen hat – die hat sie jedoch zum großen Teil eher als Übung betrachtet. Sie unterbrach ihre Arbeit als Architektin einmal, um einen Creative Writing Workshop zu besuchen. Zeit zum Schreiben fand sie vor allem, als sie nicht mehr arbeitete, sondern sich um ihre Drillinge kümmerte. In einem Interview im Buchblog ‘Savidgereads’ erzählt sie, dass sie jede kleine Pause nutzte, z. B. im Wartezimmer des Arztes, um ein paar Sätze auf die Rückseite von Umschlägen oder Kassenbons zu schreiben.

Nachdem sie insgesamt fünf Romane fertig gestellt hatte, konnte sie einige Tage nach ihrem 57. Geburtstag ihren ersten Vertrag mit einem Verlag unterschreiben.

Links:
http://www.nytimes.com/2012/04/04/books/charlotte-rogan-author-of-the-lifeboat.html?pagewanted=all&_r=0
http://savidgereads.wordpress.com/category/charlotte-rogan/

Ponyo von Hayao Miyazaki

3. Februar 2012

Ponyo ist ein Animations-Film von Hayao Miyazaki, der eigentlich vorher gesagt hatte, er wolle keine Filme mehr machen. Zum Glück hat er es doch getan und uns dieses wunderschöne moderne Märchen geschenkt.

Einige Rezensenten behaupteten, dieser Film eigne sich hauptsächlich für ganz kleine Kinder und tatsächlich können auch schon jüngere Kinder die Haupt-Ebene der Geschichte verstehen. Die ganze Poesie entfaltet sich – ähnlich wie bei Totoro – jedoch erst, wenn man verschiedene Ebenen durchschauen kann. Auch die zauberhaften Zeichnungen und die Musik von Joe Hisaishi tragen zum Erlebnis bei. Gedreht wurde übrigens nach klassischer Zeichentrick-Technik mit handgezeichneten Einzelbildern, ohne Computeranimation.

Die Geschichte handelt von dem kleinen Sosuke, der mit seinen Eltern am Meer lebt. Der Vater fährt zur See und ist deswegen nicht immer daheim, Mama schmeißt den Haushalt. Sosuke findet einen Goldfisch, der sich später in ein kleines Mädchen verwandelt. Die kleine Ponyo muss erst einmal lernen, wie sich Menschen so benehmen – das ist ganz hinreißend und sehr witzig geschildert. Warum ein Fisch zum Menschen werden kann, was passiert, als eine Flut Sosukes Haus von der Außenwelt abschneidet und ob Menschenjunge und Goldfischmädchen zusammen bleiben können; davon erzählt dieser Film voller Fantasie, hinreißender Bilder und zeitgemäßer Charaktere.

Eine unbedingte Empfehlung für alle, die einmal für 100 Minuten eine heile Welt erleben möchten, die überhaupt nicht kitschig ist.

Franka Potente – Zehn

27. August 2011

Franka Potente? Ist das nicht diese Schauspielerin aus “Lola Rennt“? Ja genau, und aus einer Reihe anderer, teilweise ganz wunderbarer Filme, z. B. “Der Krieger und die Kaiserin“, aber dazu demnächst hier mehr.

Franka Potente ist aber nicht nur Schauspielerin, sie schreibt auch und zwar richtig gut. Ich bin kein besonderer Fan von Kurzgeschichten, aber diese zehn Stories sind sehr berührend, dabei ganz schlicht und zeugen von einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Und schließlich spielen sie noch in einem ganz anderen Kulturkreis, nämlich in Japan. Nun bin ich keine Japanerin und kann daher nicht beurteilen, wie gut Franka Potente uns die Japaner näher bringt. Andererseits habe ich mich auch ein wenig mit der Kultur einiger asiatischer Länder beschäftigt – nicht zuletzt durch die Literatur und den Film – und bin davon überzeugt, dass der Autorin keine Fehler unterlaufen sind. Für mich fühlt sich alles sehr stimmig an.

Oft gibt es ein Verbindungsglied zur westlichen Welt, und da sind die Charaktere wieder ganz unterschiedlich – vom deutschen Geschäftsmann über die schwedische Praktikantin bis zum bulgarisch-stämmigen Wrestler. Manchmal treffen Gegensätze aufeinander und Gegensätze faszinieren die Autorin besonders, so sagt sie in einem Interview in der Zeit. Doch oft ergänzen sich diese unterschiedlichen Menschen oder finden Gemeinsamkeiten, vielleicht sogar ohne es richtig zu merken.

Einige der Geschichten sind herzzerreißend, andere eher heiter, aber wirklich alle außergewöhnlich schön.

Ich habe Zehn als Hörbuch gehört, von Franka Potente genauso ruhig gelesen, wie es zu den Texten passt, in denen es oft nur unter der Oberfläche brodelt.

Fazit: Uneingeschränkte Empfehlung!

Patrick Rothfuss – Der Name des Windes

2. April 2011

Der Newcomer Patrick Rothfuss ist für meinen Geschmack einer der besten Fantasy-Autoren seit langer Zeit. Nebenbei ist er noch ein ausgesprochen sympathischer und witziger Zeitgenosse, wie man diversen Interviews und seinem eigenen Blog (unbedingt lesenswert!) entnehmen kann.

Vor rund fünf Jahren erhielt er einen Vertrag für sein Epos, das er mittlerweile The Kingkiller Chronicle (dt. Die Königsmörder-Chronik) nennt. Der Wälzer wurde in eine Trilogie aufgeteilt, deren erster Teil nach sorgfältiger Überarbeitung als The Name of the Wind (dt. Der Name des Windes) erschien. Vier Jahre später ist mittlerweile auch der zweite Teil herausgekommen.

The Name of the Wind beschreibt das Leben eines Jungen in einer Welt, die am ehesten unserer Renaissance entspricht. Dazu kommt eine hübsche Prise Magie, die allerdings fast schon wissenschaftlichen Regeln entspricht und somit in sich sehr logisch aufgebaut ist.

Was gefällt mir daran so gut? Da ist erst einmal der flüssige Schreibstil ohne das für Fantasy oft so übliche Übermaß an Adjektiven oder tausendfach benutzter rhetorischer Figuren, Bilder und Vergleiche. Überhaupt wirkt alles sehr frisch.

Ganz wichtig ist sicher, dass Patrick Rothfuss seine Welt bis in viele Details hinein durchdacht hat; nur ein Bruchteil davon wird tatsächlich in den Büchern beschrieben. Aber dadurch sind zumindest mir keine Denkfehler aufgefallen. Und die Charaktere verhalten sich meistens schlüssig. Wenn jemand beweisen soll, dass er Magie beherrscht, dann tut er es einfach, statt dass aus seiner Zurückhaltung irgendwelche Missverständnisse entstehen, die dann die Handlung überhaupt erst möglich machen. Alle Figuren sind – mal mehr mal weniger rund, je nach Wichtigkeit – nachvollziehbar.

Kurzum: Ein sehr empfehlenswerter Fantasy-Roman, den auch Menschen genießen werden, die nicht unbedingt Fans dieses Genres sind.

Links:

http://blog.patrickrothfuss.com/
Rothfuss’ recht regelmäßig betextetes Blog

http://www.dailymotion.com/video/x9e83u_patrick-rothfuss-interview_creation
Ausführliches Interview aus dem Jahr 2009

Buchrezension: Malinda Lo – Ash

1. November 2010

Die Autorin Malinda Lo

Die Autorin Malinda Lo

Ash ist das Erstlingswerk der jungen Amerikanerin Malinda Lo.

Ihr amerikanischer Verlag vermarktet das Fantasybuch als Roman für junge Erwachsene, sprich für Teenager, aber ich als Mitt-Vierzigerin hatte auch Spaß an dieser kurzweiligen Neu-Erzählung von Aschenputtel. Das Verweben aus Handlungssträngen der Grimm-Vorlage mit Elementen aus der Feenwelt hat mir gut gefallen. Ihr Stil ist unprätentiös und fließend, so dass man das Buch gern in ein oder zwei Zügen durchliest.

Malinda Lo wurde in China geboren, aber als sie 3 Jahre alt war, zogen ihre Eltern mit ihr in die Vereinigten Staaten. Ihre Großmutter, die selbst ein Buch über ihre Familie veröffentlicht hatte, ermutigte die 12jährige, ein Gedicht an ein Magazin zu senden – das auch prompt veröffentlicht wurde. Als Teenager schrieb sie drei Romane. Während ihres Studiums arbeitete sie bei einem Verlag. Später interviewte sie Prominente für das lesbisch-orientierte Online-Magazin AfterEllen.com.

Nach Ash erscheint im April 2011 Malinda Los zweiter Roman Huntress. Mehr Informationen erhaltet ihr auf ihrer unterhaltsamen und informativen Website http://www.malindalo.com.